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RSSPrint

Sonntag Exaudi, 24. Mai 2020

Podcast-Gottesdienst

Wir werden diesen Sonntag wieder einen Gottesdienst im Internet oder auch als Lesepredigt (PDF-Download) feiern.

Seien Sie uns herzlich willkommen!

Wochenspruch
"HERR, höre meine Stimme!" | Psalm 27, 7

Predigttext:
"Zwischen Himmelfahrt und Pfingsten – Warten auf den Neubeginn"
Jeremia 31, 31 – 34

Podcast-Predigt: Gabriele Wuttig-Perkowski
Lieder eingesungen
: Jinyoung Woogt

Die Bibeltexte können Sie unter dem Link in den verschiedenen Bibelübersetzungen lesen. Haben Sie die Seite geöffnet, dann ist rechts oben dazu eine Möglichkeit, statt "Luther 2017" aufzuschlagen, Ihre persönlich gewählte Ausgabe zu nutzen.

Quelle für die Bibeltexte: www.bibleserver.com

"Zwischen Himmelfahrt und Pfingsten – Warten auf den Neubeginn"
Jeremia 31, 31 – 34

Begrüßung

Zwischen Himmelfahrt und Pfingsten – zwischen Vergangenheit und Neubeginn feiern wir heute Gottesdienst.
Bitten im Namen des einen Gottes,
des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen

Worte aus Psalm 27

Der HERR ist mein Licht und mein Heil;
vor wem sollte ich mich fürchten?
Der HERR ist meines Lebens Kraft;
vor wem sollte mir grauen?
HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe;
sei mir gnädig und antworte mir!
Mein Herz hält dir vor dein Wort:
»Ihr sollt mein Antlitz suchen.«
Darum suche ich auch, HERR, dein Antlitz.
Verbirg dein Antlitz nicht vor mir,
verstoße nicht im Zorn deinen Knecht!
Denn du bist meine Hilfe; verlass mich nicht
und tu die Hand nicht von mir ab,
du Gott meines Heils!
Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich,
aber der HERR nimmt mich auf.
HERR, weise mir deinen Weg
und leite mich auf ebener Bahn um meiner Feinde willen.
Gib mich nicht preis dem Willen meiner Feinde!
Denn es stehen falsche Zeugen wider mich auf
und tun mir Unrecht.
Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde
die Güte des HERRN im Lande der Lebendigen.
Harre des HERRN!
Sei getrost und unverzagt und harre des HERRN!

Eingangsgebet

Ich sitze vor Dir, Gott.
Aufrecht und entspannt.
In diesem Augenblick
lasse ich alle meine Pläne,
Sorgen und Ängste los.
Ich lege sie in Deine Hände.
Gott, ich warte auf Dich.
Du kommst auf mich zu.
Du bist in mir, durchflutest mich mit Deinem Geist.
Du bist der Grund meines Seins.
Öffne mich
für Deine Gegenwart,
damit ich immer tiefer erfahre,
wer Du bist
und was Du von mir willst.

Lesung des Evangeliums: Johannes 16, 5 – 15

Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat;
und niemand von euch fragt mich: Wo gehst du hin?
Doch weil ich dies zu euch geredet habe,
ist euer Herz voll Trauer.
Aber ich sage euch die Wahrheit:
Es ist gut für euch, dass ich weggehe.
Denn wenn ich nicht weggehe,
kommt der Tröster nicht zu euch.
Wenn ich aber gehe, werde ich ihn zu euch senden.
Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun
über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht;
über die Sünde: dass sie nicht an mich glauben;
über die Gerechtigkeit: dass ich zum Vater gehe und ihr mich hinfort nicht seht;
über das Gericht: dass der Fürst dieser Welt gerichtet ist.
Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen.
Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit,
wird er euch in aller Wahrheit leiten.
Denn er wird nicht aus sich selber reden;
sondern was er hören wird, das wird er reden,
und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen.
Er wird mich verherrlichen;
denn von dem Meinen wird er's nehmen und euch verkündigen.
Alles, was der Vater hat, das ist mein.
Darum habe ich gesagt:
Er nimmt es von dem Meinen und wird es euch verkündigen. [Q]

Predigt

Die Ungeduld wächst. Wann ist denn endlich Schluss mit den ganzen Einschränkungen? „Ich will mein altes Leben zurück.“ „Und wer weiß, was hinter dieser beunruhigenden Krankheit für Interessen stehen?“ „Kennen Sie jemanden, der sich mit der Krankheit angesteckt hat?“, so wird jetzt öfter gefragt. Die anfängliche Zustimmung zu rettenden Maßnahmen angesichts der Bedrohung durch den Virus bröckelt.

Je länger die Zeit der Einschränkungen dauert, desto größer wird bei vielen Menschen die Unruhe. Haben sie sich nicht lange genug diszipliniert? Haben Zurückhaltung geübt? Nun muss sich doch Grundlegendes ändern. Und mit den Lockerungen, die inzwischen wöchentlich beschlossen werden, scheint die Ungeduld noch anzuwachsen. Die Suche nach Erklärungen – und seien sie noch so abseitig – nimmt zu. Demonstrationen bringen das verbreitete Unbehagen zum Ausdruck – und manch einer kocht seine Suppe darauf.

Ja, es wäre schön, einen klaren Fahrplan zu haben, wann sich mein Leben wieder normalisiert. Dann wären die Einschränkungen leichter zu ertragen. Aber dieser Virus, dessen Wirkung immer noch erforscht wird, lässt sich von meinen Wünschen und Vorstellungen nicht beeindrucken. Umbruchsituationen fordern viel von Menschen. Das Alte ist unwiederbringlich vorbei – es wird nicht zurückkommen. Das Neue ist noch nicht erkennbar. Wie wird unser Leben zukünftig aussehen? Umbruchzeiten setzen Ängste frei. Das sehen wir an den Demonstrationen.

Umbruchzeiten eröffnen aber auch Perspektiven, Hoffnungen, dass sich unser Leben zum Guten wenden kann. Wäre es in Zukunft nicht möglich, unsere Gesellschaft, ja die Weltordnung gerechter und mit mehr Rücksicht auf die Ressourcen der Erde zu gestalten? Nicht mehr so viele Flüge, weniger Raubbau an der Natur, weniger Autoverkehr. Viele hoffen darauf. Interessen streiten gegeneinander. Und wer Macht hat, versucht sie zu erhalten und durchzusetzen.

Die Zeit zwischen Himmelfahrt und Pfingsten ist überschaubar. 10 Tage zwischen dem Abschied von Jesu und der versprochenen Ankunft des Heiligen Geistes – so feiern wir es jedes Jahr und üben uns in der Erinnerung darin, dass Ungewissheit darüber, wie es weiter geht, zu unserem Glauben gehört. Zehn Tage scheinen ein kurzer Zeitraum zu sein, aber die Geschichte der frühen Gemeinden zeigt, dass die Sehnsucht nach befreitem Leben nicht so schnell erfüllt wurde, wie erhofft. Die Wiederkehr Jesu lässt auf sich warten. So lebten die Gemeinden damals wie wir heute im Vorläufigen. Und wenn wir uns eingerichtet haben trotz aller Unvollkommenheit, uns mit der Welt arrangiert haben und erleben dann eine Bedrohung unserer Lebenswelt, dann wachsen Zweifel und Mutlosigkeit oder auch Zorn. Jer 31, 31 - 34

»Gebt Acht!«, sagt der Herr. »Die Zeit kommt, da werde ich mit dem Volk von Israel und dem Volk von Juda einen neuen Bund schließen. Er wird nicht dem Bund gleichen, den ich mit ihren Vorfahren geschlossen habe, als ich sie bei der Hand nahm und aus Ägypten herausführte. Diesen Bund haben sie gebrochen, obwohl ich ihnen doch ein guter Herr gewesen war. Der neue Bund, den ich dann mit dem Volk Israel schließen will, wird völlig anders sein: Ich werde ihnen mein Gesetz nicht auf Steintafeln, sondern in Herz und Gewissen schreiben. Ich werde ihr Gott sein und sie werden mein Volk sein«, sagt der Herr. »Niemand muss dann noch seinen Nachbarn belehren oder zu seinem Bruder sagen: ›Lerne den Herrn kennen!‹ Denn alle werden dann wissen, wer ich bin, von den Geringsten bis zu den Vornehmsten. Das sage ich, der Herr. Ich will ihnen ihren Ungehorsam vergeben und nie mehr an ihre Schuld denken.«

So schreibt der Prophet Jeremia an sein Volk. Israel und Juda haben alles verloren, was ihr Selbstverständnis ausgemacht hat. Ihr Land, ihre Heimat, ihren Besitz und ihren Tempel. Und Jeremia, der das Unheil ankündigen musste und die Mächtigen zur Umkehr mahnte, erlebt, dass sein Volk in die Gefangenschaft geführt wird. Und da – am Punkt der tiefsten Verzweiflung - ändert sich sein Auftrag. Die Mutlosen soll er aufrichten, die Trauernden trösten. Denen, denen er vorher Unheil verkünden musste, verkündet er nun Zukunft und Hoffnung und Leben.

Im 31. Kapitel malt Jeremia die Zukunft Judas und Israels in den schönsten Farben:
"Du Jungfrau Israel sollst dich wieder schmücken, Pauken schlagen und herausgehen zum Tanz. Du sollst wiederum Weinberge pflanzen an den Bergen Samarias; pflanzen wird man sie und ihre Früchte genießen." Jer 31, 4-5

Israel und Juda werden zurückkehren, werden wieder im Lande wohnen. Das lässt Gott Jeremia ausrichten. Und er wird einen neuen Bund mit ihnen schließen. Nichts soll sie mehr trennen. Die Liebe zu Gott, die Treue zu ihm und seinen Geboten wird ihnen ins Herz geschrieben. Von Christen wurde dieser Text über Jahrhunderte missbraucht und gegen die Juden gerichtet. Man verstand sich selbst als das neue Volk Israel, und sah sich als neuen Bündnispartner – als neue Ehefrau, der Gottes Liebe galt. Eine verhängnisvoll falsche Interpretation, die den Juden über Jahrhunderte Leid und Verfolgung durch Christen beschert hat und am Ende im Holocaust mündete. Erst danach begann in unserem Land ein Umdenken und die Erkenntnis: Der alte Bund ist nicht aufgekündigt. Israel ist und bleibt Gottes Volk und Gott steht treu zu seinen Verheißungen. Der neue Bund, der hier angekündigt wird, gilt Israel in der Fremde als Zusage der erneuerten Liebe Gottes:

Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben
und in ihren Sinn schreiben,
und sie sollen mein Volk sein,
und ich will ihr Gott sein.

Alle haben unmittelbaren Zugang zu Gott, brauchen niemanden, der sie lehrt, weil sie Gott in ihrem Herzen tragen.

Am Sonntag zwischen Himmelfahrt und Pfingsten wissen die Jünger und Jüngerinnen von Jesus nicht, wie es weitergehen wird. Jesus ist endgültig aus ihrem Leben verschwunden, ist vor ihren Augen aufgehoben worden in den Himmel, nicht mehr für sie erreichbar. Wie wird es weitergehen, mit ihrer Trauer, mit ihrem Schmerz?

Wir haben im Evangelium gehört, was Jesus ihnen vorher, vor seinem Tod mit auf den Weg gegeben hat:

Es ist gut für euch, dass ich weggehe.
Denn wenn ich nicht weggehe,
kommt der Tröster nicht zu euch.
Joh 16, 7

Jesus lässt die Freunde nicht allein, sondern kündigt den Tröster an, den Heiligen Geist, der sie in Wahrheit leiten wird. Jesus ist gegangen und die, die um ihn trauern, wissen nicht, wie die Zukunft sein wird. Dieser Heilige Geist redet nicht aus sich heraus, sondern er kommt von Gott und redet, was er hört. Auf diesen Geist warten die Jünger, wartet die Gemeinde.

Wir erleben zur Zeit viele Geister, die versuchen, Macht und Einfluss über uns zu gewinnen. Wahrscheinlich sind die meisten von uns davor gefeit, sich durch Falschmeldungen in den sozialen Netzwerken verunsichern zu lassen. Und doch erleben wir, angesichts der Fragen, welche Maßnahmen helfen und auch im Hinblick darauf, was wir uns wünschen, eine Beunruhigung. Wie wird, wie kann es weitergehen? Die Nachrichten aus der Wirtschaft helfen uns auch nicht. Auch sie rufen widersprüchliche Empfindungen hervor. Wenn das, was für den Erhalt der Schöpfung ein Segen ist, große Arbeitslosigkeit hervorruft, wie können wir dann den Frieden bewahren? Wofür sollen wir uns entscheiden? Warten auf den Heiligen Geist, der die Wahrheit spricht. Es bedeutet wohl nicht, dass uns jemand sagt, wo es langgeht, was richtig ist.

Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben
und in ihren Sinn schreiben,
und sie sollen mein Volk sein,
und ich will ihr Gott sein.

So lässt Gott seinem Volk durch Jeremia ausrichten. Mit dem Gebot Gottes im Herzen, geborgen in seiner Liebe, die ich in Jesus kennengelernt habe, bekomme ich einen Maßstab für mein Denken und Handeln: Diese Liebe weitergeben, hören und sehen was Menschen in meiner Umgebung brauchen, diskutieren über den richtigen Weg und die Achtung vor dem anderen bewahren, dazu stärkt uns der Heilige Geist. Auf sein Kommen warten wir.

Amen

SiJu 85, 1 – 3 Die Himmel erzählen

Fürbitte

Dag Hammarsköld

Du, der über uns ist,
Du, der einer von uns ist.
Du, der ist – auch in uns:
Dass alle dich sehen – auch in mir,
dass ich den Weg bereite für dich,
dass ich danke für alles, was mir widerfuhr,
dass ich dabei nicht vergesse der anderen Not.
Behalte mich in deiner Liebe,
so wie du willst, dass andere bleiben in der meinen.
Möchte sich alles in meinem Wesen zu deiner Ehre wenden,
und möchte ich nie verzweifeln,
denn ich bin in deiner Hand,
und alle Kraft und Güte sind in dir.

Vaterunser im Himmel
Geheiligt werde dein Name
Dein Reich komme
Dein Wille geschehe
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern Und führe uns nicht in Versuchung sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.
Amen

EG 9 Unser Vater

2. Deine Herrschaft soll kommen, das, was du willst, geschehn.
Auf der Erde, im Himmel sollen alle es sehn.

3. Gib uns das, was wir brauchen, gib uns heut’ unser Brot.
Und vergib uns den Aufstand gegen und dein Gebot.

4. Lehre uns zu vergeben, so, wie du uns vergibst.
Lass uns treu zu dir stehen, so, wie du immer liebst.

5. Nimm den Gedanken des Zweifels und der Anfechtung fort.
Mach uns frei von dem Bösen durch dein mächtiges Wort.

6. Deine Macht hat kein Ende, wir vertrauen darauf.
Bist ein herrlicher Herrscher und dein Reich hört nie auf.

Vielleicht möchten Sie nun noch eine Kollekte geben?

Gottesdienste finden zur Zeit anders statt als gewöhnlich – telefonisch digital oder per Post und auf vielen anderen Wegen. Das hat gravierende Auswirkungen auf die Einrichtungen und Projekte, die auf Kollekten angewiesen sind. Die Landeskirche und die Gemeinde sind dankbar für jeden Betrag, der als Spende diese Projekte erreicht. Die Projekte für den jeweiligen Gottesdienst können Sie dem Projektenplan entnehmen.

Hier ist die Kontonummer der
Ev. Patmos-Gemeinde

Evangelische Bank
IBAN: DE 3152 0604 1000 0390 9808
IBAN: DE31520604100003909808 (zum Kopieren)

Kontoinhaberin: Ev. Patmos-Gemeinde, Berlin-Steglitz

Bleiben Sie behütet.
Ihre Gabriele Wuttig-Perkowski

Kollekte für Sonntag Exaudi 24. Mai 2020

Der Gemeindekirchenrat (GKR) hat für den Kollektenplan folgende Kollektenzuwendung übernommen:

  • Landeskirche: Für die Kirchentagsarbeit (Landesausschuss Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz des DEKT (e. V.)
  • Gemeinde: Für die Orgelsanierung

 

Wir danken allen Spenderinnen und Spender, die in der Zeit, in der keine Gottesdienstpräsenz möglich war, dennoch Ihre Spenden uns überwiesen haben.

Wie beim Predigtnachgespräch, haben Sie die Möglichkeit, Ihre Meinung zu schreiben ... über unser 'schwarzes Brett'. Wir laden Sie herzlich dazu ein.

Letzte Änderung am: 23.05.2020