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Spendenaufruf

Unterstützung der Martin-Luther-Kirchengemeinde in Bad Neuenahr

Martin-Luther-Kirchengemeinde in Bad Neuenahr

Martin-Luther-Kirche. Altarraum. Foto: Pfarrer Thomas Rheindorf, 3. Dezember 2021.
Im Sommer 2021 erschütterten uns alle die Bilder und Nachrichten von der Flutkatastrophe im Westen und Süden Deutschlands. Schwere Unwetter hatten von einem Tag auf den anderen das Leben vieler dramatisch verändert. Die immense Zerstörung hat auch Kirchengemeinden getroffen.

Das Wasser hat Kirchen und Gemeindehäuser zerstört, das Inventar samt Bänken, Technik oder Gesangbüchern ist vielerorts nicht mehr zu benutzen und muss neu beschafft werden.

Einen ersten Eindruck können Sie anhand des Teaser-Bildes aus dem Altarraum der Martin-Luther-Kirche in Bad Neuenahr erkennen. Es ist das Foto von Pfarrer Thomas Rheindorf (Pfarrbezirk I) nach den Aufräumarbeiten vom 3. Dezember 2021.

„Fast ein Adventsgeschichte“ hat er seinen Beitrag überschrieben, zu der das Altarbild gehört. Sie können den Beitrag hier auf seinem Blog bei chrismon.evangelisch nachlesen. Dort finden Sie auch weitere kleine Begebenheiten, die uns die Situation vor Ort anschaulich vermitteln.

Einen zusammenfassenden Überblick über das Ausmaß der Flutkatastrophe "Nach dem Hochwasser: Wie es in rheinischen Gemeinden aussieht" - und hier insbesondere zu Bad Neuenahr - finden Sie mit Stand vom 15.09.2021 auf der Website der EKiR im Internet.

Ein Jahr nach der Flutkatastrophe

Im Ahrtal prägen Spuren der Verwüstung noch immer das Landschaftsbild. Die Flut im Juli 2021 raubte vielen Rheinländerinnen und Rheinländern ihr Hab und Gut, forderte Existenzgrundlagen und auch Menschenleben. Zur Vorbereitung eines ökumenischen Gottesdienstes zum Flutgedenken war Kirchenrat Volker König kürzlich im oberen Ahrtal unterwegs. Als Leiter der Stabsstelle Hochwasserseelsorge und -beratung im Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche im Rheinland schreibt er über den Wiederaufbau zwischen Solidarität und Überforderung.

Hier lesen Sie den Titelkommentar von Volker König *)

Vor einem Jahr verloren viele Menschen im Ahrtal in Rheinland-Pfalz, aber auch in ­Nordrhein-Westfalen durch das Hochwasser nach starken Regenfällen Familienangehörige, ihre Häuser und ihre Existenz. Wie ist die Situation ein Jahr danach?

Ich fahre ins obere Ahrtal, zur ­Vorbereitung eines ökumenischen Gottesdienstes zum Flutgedenken. Von den Eifelhöhen führt die Straße durch ein romantisches Waldgebiet. Im Tal glitzert das Wasser der Ahr. Hier kann man Urlaub machen. Tatsächlich zeigt mein Navi hinter der nächsten Biegung einen großen Campingplatz. Als ich um die Kurve fahre, sehe ich aber keinen Campingplatz. Zwischen Straße und Flussufer türmen sich meterhohe Berge von Steinen, Holz und Schrott neben riesigen Abbruch- und ­Zerkleinerungs-maschinen. Es sieht nicht so aus, als ob hier so bald wieder jemand Urlaub machen könnte.

Mit unfassbarer Wucht hat die Flut in der Nacht auf den 15. Juli 2021 Campingplätze ebenso von der Landkarte gespült wie Häuser, Brücken, Bahnstrecken. Menschen sind ertrunken. Andere mussten zusehen und zuhören, wie Nachbarn von der Flut mitgerissen wurden, konnten nicht helfen, das Wasser stand ihnen bis zum Dach.

Gefühl der Machtlosigkeit und des Kontrollverlusts

Die Flutnacht ist präsent. Normalität und Zerstörung, Wiederaufbau und langwierige Spätfolgen ­liegen dicht beieinander. Auch in der­ ­„heilen Welt“ ohne persönliche Schäden leiden Menschen unter ­Infrastruktur-Schäden: der ÖPNV, die Nahversorgung, soziale Einrichtungen, Schulen, Spielplätze, Vereinswesen – vieles liegt darnieder.

In der „Tragik-Welt“ – über 180 Menschen sind ertrunken - sind die Menschen in Schockstarre. In der „Chaos-Welt“, wo Menschen das ­sicher geglaubte Zuhause verloren haben, ist der Wiederaufbau ein kräftezehrender Weg im Labyrinth von Sachverständigen, Handwerkern, Behörden und Versicherungen. Weit verbreitet ist das Gefühl der Machtlosigkeit, des Ausgeliefertseins und des Kontrollverlusts.

Hier setzt unser evangelisches Projekt „Seelsorge und Beratung“ an. Mit 14 Pfarrer:innen, Psycholog:innen und Pädagog:innen unterstützen wir die Betroffenen im Ahrtal, in Swisttal, im Schleidener Tal, an der Inde. Ein Projekt der Diakonie Katastrophenhilfe (DKH). Im Verbund mit den diakonischen Beratungsteams. Sie unterstützen den äußeren Wiederaufbau mit Spenden­geldern der DKH – über 40 Millionen Euro. Großartig. Wir kümmern uns um die innere Aufrichtung und Stabilisierung im sozialen Miteinander: zugewandt, aufsuchend, gut aus­gebildet. Die Menschen und wir selber erleben: Es ist gut, dass Evangelische Kirche da ist.

Wir lernen für eine Kirche der Zukunft: Hingehen zu den Leuten, kein gewohntes pastorales Setting, sich aussetzen den Menschen und der Situation. Eingeladen und abgewiesen werden. Im ­Rahmen ­eines Projektes, ohne Bestands­garantie, immer wieder das Konzept nachjustierend – eine enorme Herausforderung. Wir ­gehen in ein zweites Jahr. Die Menschen wollen uns nicht gehen lassen – seien es die ­Betroffenen oder die politisch Verantwort­lichen. Zum Flutgedenken droht eine zweite Flut, die der Bilder. Es wird ­alles wieder aufgewühlt. Auch was mühsam angefangen hat zu heilen. Die Menschen gehen unterschiedlich in diese Zeit. Die einen wollen feiern, was in einem Jahr geleistet wurde, Helferinnen und Helfer ­werden eingeladen, man erinnert sich an das gute Miteinander. Das totgesagte hohe Gut der Solidarität ist auferstanden.

Stilles Gedenken

Daneben überwiegen Trauer, Schmerz, Überforderung. Wir gehen sensibel darauf ein. Schaffen Raum für ein stilles Gedenken, bieten Worte an, in die, wer mag, sich ­flüchten kann. Wagen den Spagat zwischen dem Aushalten der Trauer und einer mühsam abgerungenen ­Botschaft der Hoffnung: „Ich habe Pläne des Friedens und nicht des Unheils. Ich will euch Zukunft und Hoffnung schenken“ (Jeremia 29,11).

*) Kirchenrat Volker ­König leitet die Stabsstelle Hochwasserseelsorge und -beratung im Landes­kirchenamt der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Der Artikel steht in der Wochenzeitung dieKirche vom 6. Juli 2022. | Auf unserer Spendenseite können Sie für Opfer der Unwetterkatastrophe online spenden. Scrollen Sie auf der Seite nach unten und wählen Sie Ihren Spendenzweck. Vielen Dank.

Knapp ein Jahr nach der Jahrhundertflut im Ahrtal hat der Untersuchungsausschuss im rheinland-pfälzischen Landtag viele Zeugen befragt und Material gesammelt, um Klarheit zu gewinnen: Wie konnte es zu einer solchen Katastrophe kommen?

Wann gingen die ersten Warnungen ein? Gab es nicht genug Hinweise auf das nahende Unglück? Wie kann man verhindern, dass sich ein solches Ereignis wiederholt? Während der Wiederaufbau in der getroffenen Region läuft, stehen diese Fragen noch immer im Raum.

Innerhalb von 24 Stunden fielen in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli mehr als 100 Liter Regen pro Quadratmeter in Teilen der Bundesländer Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen – mit verheeren Folgen für die Menschen vor Ort. Viele waren nicht gewarnt worden, verloren ihr Hab und Gut, bezahlten mit dem eigenen Leben.

Lesen Sie die Rekonstruktion einer Katastrophe von Anna-Lara Weidinger auf der Seite des SWR weiter ...

FULDA Emotionale Uraufführung im Feuerwehr-Museum

"Klavier von Ahrweiler" gibt Hoffnung in tiefster Verzweiflung

15.05.22 - Es ist ein Symbol der Hoffnung: das sogenannte "Klavier von Ahrweiler" mit der Aufschrift "Spiel mich!". Das dem Deutschen Feuerwehr-Museum in Fulda überstellte Instrument trägt noch die Spuren der Flut, Schlamm ist bei näherem Herantreten erkennbar. Die Erinnerung an die Flutkatastrophe im Westen Deutschlands im Sommer 2021 ist nach wie vor präsent. "Es ist ein Denkmal an Opfer und Helfer. Im Rahmen des Internationalen Museumstags unter dem Motto 'Power of Museums' wird einmal mehr deutlich, welche Kraft die Kultur hat", erklärt Rolf Schamberger, der Leiter des DFM. "In Momenten tiefster Trauer und Verzweiflung, kann mit Musik Mut und Zuversicht gefasst werden." 

Komponist Kai Fenchel (28) komponierte im Gedenken an die Katastrophe eine beeindruckende Klaviersonate, die am Sonntagvormittag vor einem großen Publikum uraufgeführt wurde. Das Klavier erklang an diesem Tag ein letztes Mal, doch die Erinnerung an das Geschehene bleibt unvergessen. "Das aus den Fluten gerettete Klavier stand tief im Wasser und sollte eigentlich im Sperrmüll landen. Doch Helfer, Anwohner und Bewohner hatten sich zusammengesetzt und in dieser schwierigen Situation vor Ort Töne erklingen lassen", blickt Schamberger zurück.

Video und Bilder anschauen sowie weiter auf der Seite der Osthessen News im Text lesen.

Bewegende und berührende Momente

Bad Neuenahr. Stimmungsvoll sei sie gewesen, diese Lichterandacht und sie habe gutgetan, sagt eine ältere Frau die sichtlich bewegt den Kurpark in Bad Neuenahr verlässt. In ihrer Hand flackert eines der vielen Hoffnungslichter, die hier am Abend angezündet worden sind. Beim letzten Lied – bei „Der Mond ist aufgegangen“ – hat sie weinen müssen, sagt sie. Weil die Worte „es gibt so viele Sachen, die wir getrost belachen, weil unsre Augen sie nicht sehen“ so gut passten. Sie passten zur Flut, zum Schrecken der Flutnacht und zu allem was denn kam: zu den Helfer:innen zu der Hoffnung, die so viele durch ihren Einsatz in den von der Flut betroffenen Gebieten, verbreiten.

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Ahrweiler. Ein schweres Jahr liegt hinter dem Ahrtal und der Stadt Ahrweiler. Die Schäden der verheerenden Juliflut sind noch überall sichtbar. Aber das Weihnachtsfest wird dennoch gefeiert und die Stadt zeigt sich hell erleuchtet von zahlreichen Lichterketten und geschmückt von Dekorationen. Impressionen gibt es hier in unserer Fotogalerie. 

Eine Bilderseie finden Sie in der Lokalausgabe Blick aktuell. Aus Liebe zur Heimat.
Mehr aus der Fotoserie: Das Ahrtal nach der Flut finden Sie hier ... Übersicht aller Beiträge in Blick aktuell.

Dr. Thorsten Latzel, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, betonte in seiner Predigt in den Gottesdiensten in Bad Neuenahr-Ahrweiler und Euskirchen: „In den vergangenen vier Monaten wurde sehr viel geleistet. Häuser, Straßen, Brücken, Leitungen wurden wiederhergestellt. Es gab eine Spendenbereitschaft, wie wir sie selten erlebt haben. Politik und Zivilgesellschaft haben gemeinsam angepackt. Und dennoch fühlen sich viele Menschen alleingelassen. Weil die Hilfe, von der sie lesen und hören, bei ihnen noch nicht ankommt. Weil sie die Formulare nicht verstehen, weil die Heizung nicht geht oder weil ihr Leben einfach nicht wieder in die Spur kommt. Das Wasser steckt weiter in den Mauern – und in den Seelen.“ Deswegen würden jetzt „Flutengel 2.0“ gebraucht, Menschen, die den Betroffenen helfen.

Lesen Sie den Artikel von Cornelia Breuer-Iff online weiter auf der EKiR-Seite ...

Täglich ist er auf Besuchstour: Friedemann Bach, Pfarrer der ev. Kirchengemeinde Bad Neuenahr: „Manchmal ist es allerdings mehr eine Suche als ein Besuch, denn viele sind noch immer evakuiert oder weggezogen.“ Fast zwanzig seiner Gemeindeglieder sind zu Tode gekommen.

„Wir schauen nach vorn!“ :: Wie im Ahrtal mitten im Leid Hoffnung wächst.

Das Interview von Regina König können Sie in der Audiothek des erf nachhören.

„Diese Nacht hat Herzen gebrochen und Seelen geschunden“

Worte der Erinnerung und der Zuversicht

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Mit einer bewegenden und auch emotionalen Gedenkfeier gedachte die Kreisstadt kürzlich im Kurpark der Menschen im Stadtgebiet, die der verheerenden Flutkatastrophe vom 14./15. Juli zum Opfer gefallen waren. Mit großem Zuspruch der Bevölkerung, aber auch von ehrenamtlichen Helfern und Mitgliedern der verschiedenen Hilfsorganisationen und Hilfsdienste. Dezenter Blumenschmuck und schlammverschmierte Grabkerzen standen sinnbildlich für die 73 Flutopfer in Bad Neuenahr-Ahrweiler. „Die leise dahinplätschernde Ahr, die unserem Tal den Namen gibt, die für uns Erbauung und Lebensquell war, wurde zu einem reißenden Fluss, zu einer reißenden Flutmasse mutiert. Bis heute sind das Tal und auch unsere Stadt von dieser entfesselten Naturkraft gezeichnet.

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Das Wasser stand in der Martin-Luther-Kirche in Bad Neuenahr bis zur Platte des Altars. Die Helferinnen und Helfer, die das Gotteshaus nach der Flutkatastrophe ausräumen, laufen durch den Schlamm auf dem Boden.

"Die Menschen hier im Tal sind psychisch und körperlich an ihren Grenzen", beschreibt Kirchenmusikerin Andrea Stenzel, die versucht zu retten, was noch zu retten ist, im Gespräch mit Präses Dr. Thorsten Latzel.

Während alle anderen Instrumente zerstört sind, hofft sie, dass die große Orgel auf der Empore ausgebaut werden kann, bevor die hohe Luftfeuchtigkeit das Holz aufquellen lässt. Die Kirche, in der viele Gottesdienste zur Eröffnung der rheinischen Landessynode gefeiert wurden, wird lange nicht nutzbar sein.[Quelle]

Weitere Videos finden Sie auf der Youtube-Platform der ev. Kirche im Rheinland
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In der Nacht zu Donnerstag, 15. Juli 2021, hat es an vielen Orten in der Evangelischen Kirche im Rheinland verheerende Unwetter gegeben. Mehr als 180 Menschen kamen dabei ums Leben. Die Schäden sind gewaltig. Alleine an kirchlichen Gebäuden entstanden Schäden in Höhe von rund 20 Millionen Euro. Hier ein Auszug aus der Website kirchehilft helfen mit Stand vom 30. Juli 2021.

Bad Neuenahr-Ahrweiler: Aufruf zur Rettung der Martin-Luther-Kirche

Das Wasser stand in der Martin-Luther-Kirche in Bad Neuenahr bis zur Platte des Altars. (Foto: Andrea Stenzel)

Unsere Kollekte und Dank der Gemeinde Bad Neuenahr

Pfarrer Friedemann Bach. Martin-Luther-Kirche Bad Neuenahr. Foto Marcel Kuß FUNDUS
In dem Gottesdienst vom 25. Juli war die Innenkollekte zugunsten der Flutopferhilfe für die Martin-Luther-Gemeinde. In die Fürbitten wurden die Menschen der gesamten Region einbezogen. Aufgrund eines Artikels in der Markus Gemeinde­zeitung, hat der Gemeindekirchenrat beschlossen, eine nachhaltige Spendenaktion zu initialisieren.

Von Pfarrer Friedemann Bach aus dem Pfarrbezirk III der Ev. Kirchengemeinde Bad Neuenahr haben wir aktuelle Nachrichten, Links und Hinweise erhalten, die zu dieser Spendenseite geführt hat, die wir online starten. Wir danken und wünschen einen gesegneten Wiederaufbau.

Der erste Spendenaufruf der Gemeinde ist hier noch einmal zu sehen:



Seine Kollegin Elke Smidt-Kulla hat Anfang November 2021 sich in einem Brief an alle Helfenden gewandt und zur Hoffnung im Ahrtal ermutigt. Lesen Sie ihn im nächsten Abschnitt.

Hoffnung im Ahrtal

Mehr als 100 Tage nach der Flut und immer noch haben wir das Gefühl, dass wir uns im Ausnahmezustand bewegen. Die Zerstörung der Häuser und des Tales sind mittlerweile ein gewohntes Bild und doch immer wieder erschreckend. Wir sehen all das Kaputte, aber immer noch verstehen wir nicht wirklich, was das für uns, unsere Stadt und die Zukunft bedeutet.

Der Stadtteil Ahrweiler sieht schon recht aufgeräumt aus. Beim Anblick von Bad Neuenahr erschrecken die Menschen viel mehr. Viele Brücken sind vom THW aufgebaut, so dass die rechte Ahrseite wieder mit der linken Ahrseite verbunden ist.

Die Stadt hat beschlossen, dass die Anwohner:innen ihren Schutt nun nicht mehr vor die Tür oder vors Haus werfen dürfen. Wer jetzt noch Schutt produziert, muss ihn eigenständig zur Sammelstelle fahren. In vielen Häusern und Wohnungen wird noch immer der Putz von den Wänden gestemmt und der Estrich entfernt. In so manchem Haus steht bis heute der Schlamm. Strom gibt es fast überall, aber immer noch nicht in jeder Wohnung und wenn dann auch nur als Notversorgung. So manche Toilettenspülung funktioniert (immer) noch nicht, und Gas mit Heizung und warmem Wasser haben in der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler jetzt die ersten Häuser, aber viele, viele eben noch nicht. Wir suchen nach Ersatzlösungen, um in den nun kommenden kalten Wochen nicht in der eigenen Wohnung frieren zu müssen.

Hoffnung macht uns, dass die Gasversorgung für den Rest der Stadt nun doch nicht erst im Februar oder März kommen wird, sondern wahrscheinlich, wenn es denn klappt, schon im November.

Hoffnung macht uns, dass auf dem Ahrtorfriedhof, der von der Flut so stark zerstört war, im November wieder die ersten Menschen beerdigt werden können. Aber nur auf den aufgeräumten Teilen. In anderen Teilen müssen die Gräber noch gesucht und vermessen werden. Ein Normalzustand ist noch sehr weit entfernt.

Hoffnung macht uns, dass die Kinder (fast) alle zur Schule gehen können und nicht im Homeschooling sitzen. Aber wie sieht das genau aus? Zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen, die eine weiterführende Schule besuchen, gehen jetzt nachmittags zur Schule und kommt erst um nach 18 Uhr nach Hause. Treffen mit Freunden, und andere Freizeitaktivitäten sind schwierig, wenn man vormittags frei hat. Fast alle Schulen in der Stadt sind zerstört. Container werden nun aufgestellt und evtl. können nach den Herbstferien (wahrscheinlicher erst nach den Weihnachtsferien) die ersten Räume der Schulen, die in den oberen Stockwerken liegen, wieder genutzt werden.

Wir sind langsam daran gewöhnt, dass das Erdgeschoss der ganzen Stadt im Rohbauzustand ist.

Eine Stadt ohne belebtes Erdgeschoss – kaum vorstellbar – aber bei uns die Realität. Alle Gebäude sind im Keller und im Erdgeschoss von Putz und Estrich befreit und trocknen nun. Aber es gibt auch noch Häuser, in denen der Schlamm steht, wo Vermieter und Hausbesitzer sich nicht kümmern.

Hoffnung macht uns, dass es nun für den Winter Pop-up Malls geben wird – Geschäfte in großen Zelten und Containern. Die Innenstadt soll zu Ostern wieder aufmachen – so hoffen wir. Mal schauen, ob das klappt und ob es nicht doch Sommer wird, bis wir wieder Geschäfte haben.

Hoffnung gibt uns, dass es immer noch viele, viele Menschen mit anpacken. Diese Helfer:innen waren und sind ein Segen für uns hier im Ahrtal. „Ohne die Helfer wären wir verloren gewesen!“ „Ohne die Helferinnen stünden wir noch lange nicht dort, wo wir jetzt stehen!“. Die Sätze hören wir oft hier im Tal. Die Helfer:innen von nah und fern haben uns eine Perspektive gegeben und vielen Menschen den Glauben an die Menschheit und den Zusammenhalt zurückgegeben. Überall im Tal hängen Schilder und Transparente mit der Aufschrift: „Danke!“

Sie geben uns mit Ihrer Spende ein Stück Hoffnung. So viele Menschen haben ihr Zuhause und sehr viel von Ihrem Hab und Gut verloren. Manch einer konnte sich nur mit dem retten, was er an dem Abend anhatte. Eine Frau sagte mir: „Ich habe noch mein Handy geschnappt und dann sind wir losgelaufen: mein Mann, unser Sohn und ich! Wir hatten nach der Flut nur noch unsere Kleidung, die wir anhatten und mein Handy. Der ganze restliche Besitz war in der Wohnung im Erdgeschoss, die dann komplett von der Flut zerstört wurde. Nun müssen wir bei Null wieder anfangen.“ Dieser Familie und vielen anderen können wir als Kirchengemeinde mit Hilfe Ihrer Spende helfen, eine Perspektive zu entwickeln. Das ist großartig und dafür danken wir Ihnen sehr!

Danke, dass Sie uns nicht vergessen und Sie uns helfen, wieder mit Hoffnung und Visionen in die Zukunft zu gehen!

Sehr herzliche Grüße,
Pfarrerin Elke Smidt-Kulla
Evangelische Kirchengemeinde Bad Neuenahr

Brief von Anfang November 2021

 

Letzte Änderung am: 29.08.2022