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RSSPrint

Der Gesangswettbewerb ist beendet.

Von Mai bis August 2021 konnten Sie an dem Gesangbuchwettbewerb teilnehmen, um mitzuentscheiden, welches Lied in das nächste Gesangbuch aufgenommen werden soll.

Welches Lied singst Du am liebsten im Gottesdienst? Was ist Dein persönlicher Hit? Genauer gefragt: Was ist Deine TOP 5? Denn genau die suchen wir. Und zwar für das neue Gesangbuch, das bis 2030 erscheinen soll.

Zunächst digital, später auch in gedruckter Form. Dabei kannst Du uns unterstützen. Schick uns Deine Lieblingshits und zwar von Platz 1 bis 5. Also genau die Songs, die auf jeden Fall im neuen Gesangbuch stehen müssen. Ob die Lieder bereits im aktuellen Gesangbuch stehen oder nicht - ganz egal! Sollte zu Deinen persönlichen Top 5 ein Lied gehören, das bisher in noch keinem Liederbuch zu finden ist.

Die persönlichen Lieblings-Kirchenlieder fürs Evangelische Gesangbuch stehen fest

Erfahre mehr über die 5 Gewinnerlieder.

Text: Dietrich Bonhoeffer, Dezember 1944
Melodie: Siegfried Fietz, 1970 und Otto Abel, 1959

Der evangelische Theologe und NS-Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer verfasste den Liedtext im Dezember 1944, als er bereits in der Gestapo-Haft im Reichssicherheitshauptamt in Berlin saß. Ursprünglich als „Weihnachtsgruß für Dich [seine Braut] und die Eltern und Geschwister“ geschrieben, stellt das Gedicht den letzten erhaltenen theologischen Text vor seiner Hinrichtung am 09.04.1945 dar.

Nach Bonhoeffers Tod wurde das Gedicht wegen seiner Entstehungsgeschichte und dennoch gleichzeitig hoffnungsfrohen Botschaft so populär, dass es gleich von mehreren Komponisten in unterschiedlichsten Sprachen vertont wurde. In der evangelischen Kirchenmusik haben sich vor allem zwei Versionen durchgesetzt, die beide gemeinsam den #Top1 -Platz der #schickunsdeinlied-Umfrage belegt haben. Die Version von Siegfried Fietz ist heute in zahlreichen Liederheften und auch in manchen Regionalteilen des derzeitigen Evangelischen Gesangbuchs zu finden. Die Version von Otto Abel steht im EG unter der Nummer 65. In der ersten Veröffentlichung von 1959 vertonte Abel nur die letzte Strophe des Gedichts als Chorsatz, da sich der persönliche Anfang der ersten Strophen nicht für den Gemeindegesang eignen würde. Aufgrund der wachsenden Popularität wurden in den 90er-Jahren aber auch die ersten sechs Strophen mit der Abel-Melodie in das derzeitige EG mit aufgenommen. Wegen seines Textes wird das Lied heutzutage besonders häufig zur Jahreswende gesungen – insbesondere als eines der Wochenlieder für den Altjahresabend am 31. Dezember.

Weitere Informationen zu dem Lied sind in der Liederkunde zum Evangelischen Gesangbuch, Heft 4, S. 36f. zu finden. [EKD]

Text: Paul Gerhardt, 1653
Melodie: August Harder, vor 1813

Das Lied „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ gehört wohl zu den bekanntesten Liedern des Lieddichters Paul Gerhardt. Er gilt als einer der bedeutendsten Dichter des deutschsprachigen Kirchenlieds. Allein im Stammteil des derzeitigen Evangelischen Gesangbuch sind 26 Lieder aus Gerhardts Feder zu finden, in den Regionalteilen kommen noch weitere hinzu. Obwohl Paul Gerhardt selbst evangelisch-lutherischer Theologe war, werden seine Lieder über die Konfessionsgrenzen hinweg bis heute gesungen. In der Fachliteratur wird „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ auch häufig als „Sommergesang“ oder „köstliches Sommerlied“ bezeichnet, da in den 15 Strophen die irdische Freude über die Gaben der Schöpfung sowie die himmlische (Vor-)Freude auf das Paradies im Mittelpunkt stehen – sieben Strophen besingen den irdischen Garten (1-7), sieben Strophen besingen den himmlischen Paradiesgarten (9-15), die achte Strophe bildet das Scharnier zwischen beiden Teilen. Die Strophenzahl 15 (7+8) scheint dabei von Gerhardt nicht zufällig gewählt worden zu sein: Von sieben Schöpfungstagen spricht der biblische Schöpfungsbericht; acht als Überbietung der sieben steht für die Ewigkeit. Sieben plus acht symbolisieren Diesseits und Jenseits, Zeitlichkeit und Ewigkeit.

Die Melodie des Liedes schrieb August Harder ursprünglich für das Volkslied „Die Luft ist blau, das Tal ist grün“, änderte sie aber für das Kirchenlied geringfügig ab. Im derzeitigen EG ist das Lied unter der Nummer 503 zu finden und wird besonders gerne bei Gottesdiensten in den Sommermonaten, Himmelfahrts- und Pfingstgottesdiensten sowie Open Air-Gottesdiensten gesungen. Gerade wegen der letzten beiden Strophen erklingt das Lied durchaus auch bei Trauerfeiern.

Weitere Informationen zu dem Lied sind in der Liederkunde zum Evangelischen Gesangbuch, Heft 9, S. 34f. zu finden. [EKD]

Text: Ignaz Franz, ab 1768
Musik
: Lüneburg (1668), Wien (um 1774), Heinrich Bone (1852)

Das beliebte Kirchenlied „Großer Gott, wir loben dich“ wurde von dem katholischen Theologen und Lieddichter Ignaz Franz verfasst. Der deutsche Text basiert auf dem lateinischen „Te Deum laudamus“ aus dem 4. Jahrhundert, einem der ältesten Gesänge der Christenheit. Insgesamt umfasst das Lied 11 Strophen, wobei die mittleren Strophen aufgrund ihres sperrigen Textes nur selten gesungen werden. Sie sind in ihrer Sperrigkeit aber ein Zeugnis des hohen Alters des Ursprungstextes.

Über die Jahre hat Ignaz Franz den Liedtext immer wieder verändert und angepasst. Die im Jahr 1774 im Gesangbuch der österreichischen Erzherzogin Maria Theresia erschienene Fassung ist der heutigen Version im Evangelischen Gesangbuch am ähnlichsten.

Die heute gängigste Melodiefassung geht auf die Fassung des Protestanten Johann Gottfried Schicht im „Allgemeines Choralbuch“ (1819) und Heinrich Bones Gesangbuch „Cantate“ (Mainz 1852) zurück. Trotz seines katholischen Ursprungs hat das Lied die Konfessionsgrenzen längst überschritten und wird seit dem 20. Jahrhundert auch regelmäßig in evangelischen Gottesdiensten als Lobpreislied und zu freudigen Anlässen musiziert. Im EG ist es unter der Nummer 331 zu finden. Nach der neuen Ordnung gottesdienstlicher Texte und Lieder ist es eines der Wochenlieder für den Michaelistag (29. September).

Weitere Informationen zu dem Lied sind in der Liederkunde zum Evangelischen Gesangbuch, Heft 22, S. 42f. zu finden. [EKD]

Text und Musik: Markus Pytlik, 1988

Das Lied „Möge die Straße“ entstand im Jahr 1988 nach einer Irlandreise des Komponisten Markus Pytlik. Er brachte von dort zwei Mitbringsel mit: Zum einen eine Postkarte, auf der der bekannte „Irische Reisesegen“ abgedruckt war, sowie ein Buch mit „Irish Toasts“, den irischen Trinksprüchen. Der irische Reisesegen „May the road rise to meet you“ ist auch in seiner Originalsprache bereits häufiger vertont worden und wird auch in Deutschland gerne gesungen. Markus Pytlik übersetzte den Segenswunsch ins Deutsche und verwendete ihn für die erste Strophe und den Refrain seines Liedes.

Die Strophen 2-4 entstanden auf Anregung aus den Irish Toasts und wurden von Pytliks Gedanken zu der Thematik weiter ergänzt. Insofern bezieht sich der Untertitel des Liedes „Irische Segenswünsche“ ausschließlich auf die Textgestalt, die ebenfalls von Pytlik komponierte Musik hat keinerlei irische Einschläge. Das Lied ist in zahlreichen regionalen Liederheften der Landeskirchen zu finden und wird häufig als Schlusslied und Segenswunsch in Gottesdiensten gesungen.Berühmt wurde es durch ein Video der Musikgruppe „Die Priester“, deren YouTube-Video knapp 3 Mio. Zugriffe hatte.

Während der Corona-Pandemie produzierten außerdem viele Chöre im Lockdown digitale Versionen des Liedes, die über die sozialen Netzwerke eine große Reichweite erlangten. [EKD]

Text und Musik: Georg Neumark, 1641/42

Das Lied „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ hat sich als einziges Kirchenlied des Dichters und Komponisten Georg Neumark im heutigen Gebrauch erhalten. Er selbst bezeichnete es als „Trostlied. Dass Gott einen Jeglichen zu seiner Zeit versorgen und erhalten will. Nach dem Spruch: Wirf dein Anliegen auf den Herrn/ der wird dich wohl versorgen/ etc.“. Somit rückt der Komponist das Lied selbst zu den kirchlichen Barockliedern, die vom biblischen Kern, insbesondere von Psalmen ausgehen. Zu Neumarks 7-strophigem Text sind im Laufe der Zeit etliche weitere Melodiefassungen entstanden. Keine von ihnen reichte jedoch an die Popularität des Originals heran, weswegen sich die Originalmelodie von Neumark selbst durchsetzte und zu einer der Hauptmelodien des evangelischen Gesangs wurde. Da der Text kaum konfessionelle Prägung aufweist, wurde das Lied ab 1800 auch im katholischen Umfeld aufgegriffen und ist auch heute noch mit fünf von sieben Strophen im katholischen Gotteslob vertreten.

Neben Johann Sebastian Bach griffen auch Georg Philipp Telemann und Felix Mendelssohn-Bartholdy die Choralmelodie auf und verarbeiteten sie in ihrem Kantatenschaffen. Auch in Johannes Brahms „Ein deutsches Requiem“ und Robert Schumanns „Klavierquartett Es-Dur, op. 47“ werden Teile des Chorals zitiert. Besondere Aufmerksamkeit erlangte das Lied außerdem im Jahr 2002 durch den Film „Vaya con Dios“, in dem die Mönche Arbo und Tassilo durch ihre kunstvollen Figurationen über die Melodie des Liedes ihren Mitbruder Benno zurückgewinnen können.

„Wer nur den lieben Gott lässt walten“ steht im derzeitigen Evangelischen Gesangbuch unter der Nummer 369 und ist als eines der Wochenlieder für den 15. Sonntag nach Trinitatis vorgesehen.

Weitere Informationen zu dem Lied sind in der Liederkunde zum Evangelischen Gesangbuch, Heft 21, S. 63f. zu finden. [EKD]

Das aktuelle Evangelische Gesangbuch stammt noch aus den 90er Jahren. Ein neues ist bereits in Arbeit - doch bis es erscheint, wird noch einige Zeit vergehen. Das Sonntagsblatt hat mit Kirchenmusikdirektor Andreas Schmidt gesprochen, der am Prozess beteiligt ist. 

Vorneweg: Haben Sie denn ein persönliches Lieblingslied aus dem Evangelischen Gesangbuch?

Andreas Schmidt: Ich finde ja "Bis hierher hat mich Gott gebracht" fantastisch. Das ist eines meiner ganz lieben Lieder. Und wenn man von einem lieben Lied spricht oder von einem Lieblingslied, geht das weit über die aktuelle Situation hinaus. Das ist tiefste Emotion. Es ist fast wie eine Persönlichkeit, die einem gegenübersteht, oder wie ein Teil vom eigenen Körper.

Sie sind berufen worden in den Landesausschuss zur Vorbereitung des neuen Evangelischen Gesangbuch. Das scheint ein sehr langwieriger Prozess zu sein, wenn das Buch erst gegen Ende des Jahrzehnts erscheinen soll. Wie läuft denn so etwas überhaupt ab?

Schmidt: Das in wenigen Worten zu sagen, ist eigentlich unmöglich. Vielleicht ist eine Vergleichszahl ganz hilfreich: Das jetzige Evangelische Gesangbuch ist bereits in den 80er Jahren vorbereitet worden und dann Mitte der 90er Jahre erschienen. Das zeigt ein bisschen, wie komplex ein solches Vorhaben ist. Nehmen Sie jetzt die neue, digitale Seite eines solchen Projektes, dann ist klar, dass der Aufwand eher noch größer wird als seinerzeit.

Das ganze Interview können Sie nachlesen auf: Sonntagsblatt 3600 evangelisch

Letzte Änderung am: 24.10.2021